Rudern ist Natur- und Erlebnissport

Rudern ist Mannschafts- aber auch Individualsport

Rudern ist ein Mannschaftssport, der sich von vielen anderen Mannschaftssportarten, wie z.B. den Sportspielen, unterscheidet. In allen Mannschaftssportarten muss der Leistungsbeitrag des Einzelnen mit dem der anderen koordiniert werden. Während dies in den Sportspielen in Form einer Kooperation – z.T. sehr unterschiedliche Tätigkeiten werden aufeinander abgestimmt – geschieht, müssen im Rudern alle Mannschaftsmitglieder in einem bestimmten Zeitrahmen das Gleiche tun (koagieren). Tradition und ruderhistorische Entwicklung haben als Mannschaftsgefüge im Wettkampfsport den Zweier, Vierer und Achter (jeweils mit und ohne Steuermann) herausgebildet, aber auch den Einer als Möglichkeit der individuellen Leistungspräsentation oder Sportausübung.

Rudern ist eine gesunde Sportart und bedeutet Fitness und Kondition

Als gelenkschonender Ausdauersport bietet Rudern vom Schüleralter bis in das siebte und achte Lebensjahrzehnt eine hervorragende Möglichkeit, den sich verbreitenden Zivilisationskrankheiten und Bewegungsmangelerscheinungen entgegenzuwirken und sich fit zu halten. Im Vergleich zu vielen anderen Sportarten ist der Ruderer kaum verletzungsanfällig und kann seine Sportart in allen Jahreszeiten ausüben. Wie kaum eine andere Sportart spricht das Rudern eine breite Palette von Muskelgruppen an. Durch die Kombination von Kraft- und Ausdauerfähigkeiten werden fast alle physischen Leistungsfaktoren gesteigert ohne den Einsatz von Zusatzsportarten, -geräten und -maßnahmen.

Rudern ist Natur- und Erlebnissport

Sieht man von spezifischen Trainingsgeräten ab, die die Ruderbewegung und -belastung simulieren können, muss die Sportart in freier Natur ausgeübt werden. Das Prädikat Natursportart wiegt besonders, da sich in zunehmendem Maße Hallen-, Studio- und Kellersportarten etablieren und im Bereich der Natursportarten immer mehr Disziplinen mit Fremdenergie (Motor, Wind) betrieben werden. Das Befahren fremder Flüsse und Gewässer, der Besuch ausländischer Regatten in fremder Umgebung, die Beobachtung von Natur und Tierwelt aus einer ungewohnten Perspektive oder das Erlebnis, fern von Zuhause Tage und Wochen in Zelten zu verbringen, bieten für Alt und Jung besondere Erfahrungsmöglichkeiten und Abenteuer.

Rudern ist ein preiswerter Sport

Das Boots- und Rudermaterial wird von den Vereinen bereitgestellt. Vergleicht man den Mitgliedsbeitrag mit Sportvereinen, die einen ähnlichen Materialaufwand haben, liegen die Rudervereine deutlich darunter. Das Material für den allgemeinen Ruderbetrieb ist bei entsprechender Wartung sehr langlebig.

Rudern ist eine integrative Sportart und kann als Erziehungsmittel eingesetzt werden

Im Unterschied zu vielen anderen Sportarten können Alt und Jung, Frauen und Männer, Eltern und Kinder, Behinderte und Nicht-Behinderte diese Sportart gemeinsam, in einem Boot ausüben Durch die realtiv einfache und leicht erlernbare Bewegungsstruktur, die Anforderungen im vornehmlich aeroben Ausdauerbereich und die relativ geschlossene Ausübungsform lassen sich homogene wie heterogene Gruppierungen bilden. Eine große Tradition als eine zentrale Schulsportart hat das Rudern vor allem in den angelsächsischen Ländern. Zahlreiche Schülerrudervereine zeugen davon, dass das Rudern als Mannschaftssport eine Möglichkeit darstellt, soziale Kommunikationsformen zu erfahren und Interessen in eigener Verantwortung zu vertreten. Die spezielle Struktur dieses Mannschaftssports erlaubt soziale Erfahrungen, die pädagogisch sinnvoll erscheinen.

Rudern ist Vereinssport

Rudern wird vornehmlich in Vereinen durchgeführt, die neben dem Motiv und dem Wunsch ihrer Mitglieder, Rudern zu ermöglichen, noch einer Reihe weiterer Bedürfnisse nachkommen können. Sie bieten einen Bezugspunkt im sozialen Leben des Sportlers, sie sind damit Mittel und Ziel zugleich. Neben den organisatorischen Möglichkeiten und Bedingungen zur Ausübung der Sportart verfügt der Verein über ein immenses Repertoire an formalen wie informellen Sozial- und Kommunikationsformen, wie z. B. Geselligkeit, Gruppen, Freundschaften, Feste und Feiern etc. und kann jungen wie älteren Sportlern ein zweites Zuhause bieten.

Rudern ist Wettkampf- und Hochleistungssport

Ein umfangreiches Wettkampfprogramm – vom Kindesalter (ab ca. 11 Jahren) bis ins hohe Alter – bietet demjenigen, der sich im organisierten Wettkampf messen will, hinreichend viele Möglichkeiten. Bis an die 100 Regatten im Frühjahr, Sommer und Herbst, die über das ganze Bundesgebiet verteilt sind, erlauben Vergleiche auf allen Leistungsebenen und -klassen. Das Rennrudern als Leistungs- und Hochleistungssport besitzt nach wie vor eine große Anziehungskraft. Der hohe Trainingsaufwand und die enormen Belastungen fordern vom Athleten den Einsatz seiner gesamten Persönlichkeit.

Rudern ist ein Sport für Behinderte

Rudern ist leicht erlernbar, durch die Koaktion wird der Behinderte, insbesondere auch der Sehbehinderte, zum gleichwertigen Partner. Die Gefahr der Isolation, des Kontaktverlustes und des Minderwertigkeitsgefühls, welche bei einer Behinderung leicht eintritt, wird durch die speziellen Möglichkeiten des Ruderns gemindert. Zahlreiche Aktionen, Projekte und Gruppen im Deutschen Ruderverband zeugen von den Chancen.

Rudern ist Freizeit- und Familiensport

Freizeitsport im Allgemeinen ist gekennzeichnet durch die Möglichkeit, in alters-, geschlechts- und leistungsheterogenen Gruppierungen Sport zu treiben, wobei nicht selten mit regelveränderten Übungs-, Spiel- und Wettkampfinhalten den speziellen Interessen und Fähigkeiten der Sportler Rechnung getragen wird. Rudern bietet hervorragende Möglichkeiten, den Motiven nach Ausgleich, Geselligkeit und Spaß in Freundes- und Familienkreisen nachzugeben. Die Garantie einer gewissen Verhaltensfreiheit ohne vorgegebene Leistungszwänge und -normen soll als Form der Lebenserweiterung für die Freizeitruderer und Familien angesehen werden.

Text mit freundlicher Genehmigung MEYER & MEYER Verlag aus:
Fritsch, W. (2006). Handbuch für den Rudersport: Training – Kondotion – Freizeit (4., überarb. Aufl.). Aachen: Meyer und Meyer.

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