Ruderanfänger ausbilden

Einleitung

Wer rudern lernen möchte, bedarf sachkundiger Anleitung. Vorrangige Zielsetzungen sind:

  • Den Lernenden die Faszination und die Vielfalt dieses Sports näher zu bringen.
  • Grundlegende Elemente zu vermitteln, die es ermöglichen, diese Sportart selbstständig auszuüben, mit mehreren gemeinsam zu rudern und eine hinreichende Sicherheit für Sportler und Gerät bei Ausübung dieser Sportart zu gewährleisten.
  • Boots- und Bewegungsgefühl zu vermitteln, die als Voraussetzungen für eine Optimierung und Effektivität der Technik anzusehen sind.

Die Absicht der Grundlegung besteht nicht nur darin, möglichst schnell zum Erfolg zu kommen, sondern das Rudernlernen selbst soll bereits zu einem unvergesslichen Erfahrungsbereich und Erlebnis werden.

Bewegungs- und Übungsformen variieren

Bereits in der Grundlegung soll der Lernende Erfahrungen mit den unterschiedlichen Bootsarten und –gattungen sammeln. Dabei ist es unerheblich, ob die ersten Erfahrungen in der Mannschaftsgig, im Skull- oder Riemenboot oder auch im Skiff gemacht werden. Nicht das schnellstmögliche Erlernens ruderischer Bewegungsabläufe, sondern die vielfältigen Erfahrungen mit den unterschiedlichen Boots- und Ruderarten sowie den Mannschaftszusammensetzungen stehen im Vordergrund. Das oft formulierte Prinzip der Ruderausbildung „erst skullen – dann riemenrudern“ verliert seine absolute Gültigkeit unter der übergeordneten Zielsetzung.

Zeit zum Üben und Zeit für Pausen

Besonderes Augenmerk sollte dabei auf das intensive Üben einer Fertigkeit gelegt werden. Genügend Zeit dazu steht den Übenden zur Verfügung, genauso erweist es sich häufig als sinnvoll, die Lernenden über einen gewissen Zeitpunkt sich selbst zu überlassen. Das Erlernen neuer Bewegungen sowie neuartige Erfahrungen zehren an der Konzentration der Lernenden. Anfängern sind Pausen einzuräumen, indem der Trainer Ruderer im Mannschaftsboot und im Skiff austauscht. Zweimal zwanzig Minuten üben mit einer Pause von 15 Minuten bringt oftmals größere Fortschritte als ein vierzig Minuten durchgehendes Programm.

Zielgruppengerechtes Vorgehen

Rudern kann ab etwa neuen Jahren und bis ins hohe Alter und unter nahezu allen Voraussetzungen erlernt werden. Das günstigste Lernalter jedoch liegt – wie in vielen anderen Sportarten auch – zwischen dem 10. und 13. Lebensjahr, was in der Angebotsstruktur der Vereine widerspiegeln sollte. Auswahl und Schwerpunkt der Übungsangebote und die Abmessungen des Boots- und Rudermaterials selbst sollten zielgruppengerecht sein.

Bewegungsdemonstration

Eine korrekte Bewegungsvorstellung, die zudem mit Kenntnissen der Bewegungsfunktion verbunden ist, hilft dem Ruderanfänger ungemein. Durch die direkten Rückmeldungen, z. B. im Balanceverhalten, wird das Skiff oft als bester Lehrmeister gepriesen, sollte aber in dieser Hinsicht durch Kenntnisse und Vorstellungen über den Bewegungsablauf ergänzt werden. Die Demonstration durch den Trainer selbst bliebt die effektivste Methode der Technikvermittlung. Bei der Demonstration der Bewegungsabläufe ist zu berücksichtigen, dass das Wesentliche an der Bewegung herausgehoben wird. Die Erklärung der Bewegung sowie der damit verbundenen Aufgabenstellungen erfolgt unter Verwendung der notwendigen Fachausdrücke in jeweils altersadäquater Dosierung.

Ganzheitliches Vorgehen

Da Rudern einen zyklischen Bewegungsablauf darstellt, ist bei der Vermittlung darauf zu achten, dass Rudern stets ganzheitlich gelehrt wird und nicht in zergliederten Teilbewegungen. Am Ende der ersten Ausfahrt muss die Gesamtbewegung in der Mannschaft stehen. Eine Steigerung der Anforderungen erfährt der Lernende durch die erfolgreiche Bewältigung schwierigerer Bewegungsaufgaben, die auch länger durchgeführt werden.

Bewegungsaufgaben stellen, Schwerpunkte setzen und Anreize schaffen

Jeder Lernschritt oder Element sollte durch gezielte Bewegungsaufgaben ergänzt werden. Spiel- und Wettbewerbsformen bieten sich an, die nicht nur der Festigung erlernter Bewegungsabläufe und der Auflockerung der Ausbildung dienen, sondern vor allem jüngere Ruderanfänger motivieren. Hierbei können Schwerpunkte gesetzt und bestimmte Merkmale hervorgehoben werden.

Unterrichtsorganisation

Abhängig von den Gegebenheiten des Ruderreviers und den situativen Verhältnissen variiert natürlich auch die Anzahl der Ruderanfänger für Trainer oder Ausbilder. Auf einem verkehrsreichen, stark strömenden Gewässer kann der Trainer nicht mehr als 4 Anfänger beaufsichtigen (er steuert einen Gigvierer). Zur Schonung des Bootsmaterials sowie zur Gewährleistung der Sicherheit während der Ausbildung, ist vom Trainer der richtige Standort zu wählen. Prinzipiell kann er einen Standort an Land (zu Fuß, Fahrrad) oder auf dem Wasser (im Boot als Steuermann oder Mitruderer oder als Begleitung im Skiff) wählen.

Keine Musterlektionen, eher Unterrichtswerkstatt

Lernen kann durchaus als zweiseitiger Prozess gesehen werden; nicht nur der Lernende profitiert vom Lehrer, sondern auch der Trainer bekommt aus den Reaktionen der Anfänger, der Bewegungswahrnehmung des Lernenden und im Austausch mit ihm für sich selbst und seinen Unterricht neue Impulse. Der Unterricht selbst erhält damit einen Eigenwert und steht nicht unter dem Diktat der Effektivität, Zeitminimierung und Zweckorientierung. Das Lern- und Rudererlebnis wird durch das Lernen in der Gruppe, die Freude über das Erreichte und spezifische Erfahrungen erweitert.

Methodische Hinweise zur Anfängerausbildung

  1. Die rudertechnische Ausbildung ist mit dem Skullen zu beginnen. Daher ist von Anfang an auf die richtige Handführung zu achten.
  2. Große Pausen zwischen den Übungseinheiten sind zu vermeiden, da sie den Lernprozess erheblich verzögern. Die Anfängerausbildung sollte möglichst als Lehrgang über mehrere Tage durchgeführt werden.
  3. Die Größe der Anfängergruppe sollte acht Sportler nicht überschreiten.
  4. Bei der Anfängerausbildung im Kleinboot ist das Anbinden oder Festhalten der Boote in den ersten Übungseinheiten angebracht. Alle Bewegungsaufgaben sind ohne Krafteinsatz durchzuführen.
  5. Das Rudern ist eine zyklische Bewegung und sollte deshalb als Ganzes erlernt werden.
  6. Übungserklärung und Demonstration sind von Anfang an mit aktiver Bewegungstätigkeit der Anfänger zu verbinden.
  7. Aufgabenstellungen sind kurz und altersgerecht zu erläutern. Fachausdrücke sollten dabei zunächst mit bekanntem Wortschaft eingeführt werden.
  8. Beobachtungsaufgaben sind zu stellen und Rückinformationen zum Ergebnis der Lerntätigkeit einzuholen, um die Bewusstheit im Lernprozess zu erhöhen.
  9. Die Orientierung auf dem Wasser, das Umschauen und das Kurshalten sind bei der Ausbildung von Anfang an zu beachten.
  10. Durch Spiel- und Wettbewerbsformen ist das Erlernte zu festigen, die Freude am Rudern zu vermitteln und das Üben aufzulockern.

Literatur