Lernliste im Ruderverband Schleswig-Holstein nach Grahn

Lernliste

Sitz- und Handhaltung regelmäßig kontrollieren

  • Sitze gerade mit durchgestreckten Beinen
  • Skull am Ende anfassen
  • Daumen an den Außenseiten
  • Rechte Hand näher am Bauch und eng unter der linken Hand

1. Schritt: Blätter flach aufs Wasser

  • Hebe abwechselnd eine Hand und senke gleichzeitig die andere Hand
  • Halte beide Skulls mit einer Hand fest. Lehne dich nun abwechselnd nach links und nach rechts

2. Schritt: Blätter senkrecht im Wasser

  • Drehe die Hände, bis beide Blätter senkrecht sind
  • Fass die Skulls so locher an, dass die Blätter senkrecht im Wasser schwimmen
  • Regelmäßig kontrollieren: Handgelenke gerade, wenn die Blätter senkrecht sind
  • Drehe nun abwechselnd die Blätter senkrecht und wieder flach, senkrecht und wieder flach, …

3. Schritt: Vorwärtsrudern

  • Drehe beide Blätter senkrecht
  • Ziehe beide Hände zum Bauch
  • Drehe beide Blätter wieder flach
  • Schiebe beide Hände zu den Knien, dabei die Blätter flach auf dem Wasser

4. Schritt: Rückwärtsrudern

  • Ziehe Hände zum Bauch, Blätter flach auf dem Wasser
  • Drehe beide Hände senkrecht
  • Schiebe beide Hände zu den Knien
  • Drehe beide Blätter wieder flach

5. Schritt: Einseitig vorwärts

  • Drehe ein Blatt senkrecht
  • Ziehe beide Hände zum Bauch
  • Drehe das Blatt wieder flach
  • Schiebe beide Hände zu den Knien, dabei beide Blätter flach auf dem Wasser

6. Schritt: Einseitig rückwärts

7. Schritt: Beine einsetzen

8. Schritt: Wende

 

Elemente des Rudernlernens nach Fritsch

Unabhängig von den persönlichen Motiven oder Zielsetzungen, bleiben den Anfängern und damit auch den vermittelnden Übungsleitern sieben Lernstufen bei der Grundlegung im Rudern, die aufeinander aufbauen und deren Beherrschung für alle Ruderbereiche, ob sich die Anfänger für das Rennrudern, das Wanderrudern oder Freizeitrudern entscheiden, notwendig sind.

  1. Vertrautmachen mit dem Gerät und dessen Handhabung
  2. Balancesicherung
  3. Vorwärtsrudern
  4. Bootsmanöver
  5. Bewältigung von Situationen
  6. Steuern
  7. Orientierung über die Bereiche des Ruderns

Übersicht Element 1: Vertrautmachen mit dem Gerät

Teilziele Fachausdrücke Hinweise und Korrekturen
Information: prinzipielle Boots- und Ruderarten, angemessene Ruderbekleidung Gigs, Rennboote, Skulls, Riemen, Dolle, Ausleger, Rollbahn, Stemmbrett Ruderkleidung
Ruder (Skulls und Riemen), Steuer Blatt, Schaft, Mannschette, Klemmring, Steuer(-leine) Lagerung der Boote, Bootspflege
Behandlung des Materials, Tragen der Boote Bug, Heck, Bordwand Aufstellung beim Tragen
Einsetzen und Herausheben der Boote Kiel, Schwert Gigs über Kiel, auf Ausleger achten; Boote mit Schwert parallel zum Bootssteg
Einlegen der Ruder Backbord, Steuerbord Ruder auf der richtigen Seite, Dollen in richtiger Stellung, Blatt auf dem Steg mit Wölbung nach oben
Ein- und Aussteigen Fußbrett Ruder festhalten, Dollen zuschrauben, Rollsitzposition, nicht ins Boot treten
Einstellen des Ruderplatzes Innenhebel, Stemmbrett, Stemmbrettschraube Schrauben fest, Kontrolle der richtigen Einstellung in Aus- und Rücklage

Ruderbefehle

  • Mannschaft ans Boot – hebt an!
  • Boot drehen – Bootshaus (Brücke, Wasserseite o.ä.) offen!
  • Fertigmachen zum Einsteigen – steigt ein (stoßt ab)!
  • Fertigmachen zum Aussteigen – steigt aus!
  • Klarmeldung!

Aufgabenstellungen und Spielformen

  • Beobachtungsaufgaben: Wie machen es die anderen Ruderer (z. B. beim Einsteigen, Einstellen, Boot tragen)? Wie kann man sich das Einlegen der Ruder auf der richtigen Seite leichter merken (z. B. die Gedächtnisstütze: »Ruderer rudern rechts rot«)?

Übersicht Element 2: Balancesicherung

Teilziele Fachausdrücke Hinweise und Korrekturen
Grundstellung, Sicherheitsstellung Griffe, Innenhebel Blätter flach auf dem Wasser, Position der Innenhebel, Hände/Griffe in einer Höhe
Balance- und Schaukelübungen Dollen geschlossen, auf Schiffahrt achten (richtige Seite, Abstand)
Blattlage erfühlen Finger- und Handhaltung
einseitiges Vorwärts- und Rückwärtsrudern im Wechsel aufgedrehtes Blatt, Einsatz Blattlage im Wasser, Handhaltung, Finger, Handführung, rudernde Hand wird über der ruhenden geführt

Aufgabenstellungen und Spielformen

  • Laßt die Blätter auf dem Wasser liegen und schaukelt das Boot, indem Ihr die Hände und Griffe abwechselnd auf- und abbewegt.
  • Legt die Blätter flach aufs Wasser, fixiert Eure Griffe über den Oberschenkeln und versucht, mit dem Körper das Boot zum Schaukeln zu bringen.
  • Wiederholt die zweite Übung und versucht, die Ruder kurz loszulassen.
  • Drückt beide Innenhebel der flach gedrehten Blätter ins Boot (Griffe zu den Füßen) und kippt mit Hilfe des Oberkörpers von einer Seite zur anderen.
  • Zwei Ruderer sollen versuchen, auf dem Wasser ihre Skiffs zu tauschen. Eine Übung mit hohem Anforderungscharakter, die nicht nur für die Übenden spannend ist.
  • Versucht, Eure Skulls auf dem Wasser zu tauschen (bei kleinen Ruderern Dollen ohne Dollenbügel).
  • „Kantenspiel“: Die Blätter gleiten beim Vor- und Rückrollen auf dem Wasser, dabei soll das Boot keinen Vortrieb erfahren.
  • Schröder schlägt noch weitere „kleine Kunststücke“ vor, sogar einen Kopfstand im Boot.
  • Blätter flach aufs Wasser legen, dann Innenhebel ins Boot drücken und versuchen, das Skiff auszubalancieren. Variation: Blätter stehen senkrecht im Wasser.
  • Anmerkung: Einige dieser vorgeschlagenen Spielformen können auch bei Element 5 auszuprobiert werden, wenn das Wiedereinsteigen in das Skiff beherrscht wird.

Übersicht Element 3: Vorwärtsrudern

Teilziele Fachausdrücke Hinweise und Korrekturen
Auf- und Abdrehen der Blätter Aufdrehen, Abdrehen der Ruder, Ausheben, Einsetzen Handhaltung (kein Handgelenkknick!)
Rudern unter ständiger Verlängerung des Rollwegs Auslage, Rücklage, Ruderschlag Körperhaltung verkrampft? Handhaltung, -führung, Blattführung, Rollarbeit, Rollweg
kleine Richtungsänderung durch Überziehen Backbord, Steuerbord, Überziehen übertriebene Bewegungen? Einsatz, Schlaglänge
Fahrt abbremsen, Abstoppen Stoppen Blattstellung, dosiertes Abstoppen
Zielrudern Kurshalten

Ruderbefehle

  • Alles vorwärts – los!
  • Back- (Steuer-)bord überziehen!
  • Ruder – halt!
  • Blätter (Blatt) – ab!
  • Stoppen – stoppt!

Aufgabenstellungen und Spielformen

  • Schließt die Augen und dreht die Blätter mehrmals auf und ab. Ist die Handhaltung und die Blattlage noch richtig?
  • Mit aufgedrehtem Blatt rudern:
    • allein
    • paarweise
    • alle zusammen
    • paarweise, der eine auf-, der andere abgedreht
    • paarweise, der eine auf dem Wasser schleifend, der andere wasserfrei
  • Rudert 5 Schläge auf backbord stärker! Wechselt die Seite! Paarweise auf back- oder steuerbord überziehen!
  • Wann sieht man sich beim Kurshalten am günstigsten um?
  • Wie orientiert man sich auf dem Wasser?
  • Wer muß sich beim Ansteuern auf ein Ziel am wenigsten umsehen?
  • Wer fährt einen Kreis links (rechts) herum?
  • Zieht abwechselnd 5 (oder 3, 2, 1) Schläge mit der rechten Hand, dann mit der linken Hand.

Übersicht Element 4: Bootsmanöver

Teilziele Fachausdrücke Hinweise und Korrekturen
beidseitiges Rückwärtsrudern unter ständiger Verlängerung des Rollwegs Blattstellung, Handhaltung, Handführung
Wenden Wende gleichmäßiges Tempo für vorwärts und rückwärts
An- und Ablegen vom Steg Wind, Wellen, Strömung Anfahrt (-swinkel) zu früh, zu spät gestoppt? Bedingungen nicht beachtet?

Ruderbefehle

  • Alles rückwärts – los!
  • Wende über Back- (Steuer)bord – los!
  • Auf Back- (Steuer)bord Blätter – hoch!

Aufgabenstellungen und Spielformen

  • wie Vorwärtsrudern: auf ein Ziel zu rudern
  • Schläge auf Backbord vorwärts, 3 Schläge auf Steuerbord rückwärts
  • abwechselnd ein Schlag Steuerbord vorwärts und ein Schlag auf Backbord rückwärts
  • komplette Wende über Backbord, Steuerbord
  • Wer schafft eine Wende (180° oder 360°) mit den wenigsten Schlägen?
  • Wer hat am schnellsten dreimal um 360° gedreht (beide Seiten)?
  • Kombinationsübung: etwa 50 m rückwärts auf ein Ziel rudern, Wende über 360° und vorwärts weiter rudern
  • versuchen, vorwärts und rückwärts am Steg anzulegen
  • Abstoppen einseitig, beidseitig
  • Wer stoppt am nächsten zu einer Linie oder zum Steg?

Übersicht Element 5: Bewältigung von Situationen

Teilziele Fachausdrücke Hinweise und Korrekturen
fortgeschrittene Balanceübungen im Skiff wasserfrei rudern, fliegen Ausheben korrekt? Geschwindigkeit hinreichend?
Rudern in Wellen Hochscheren, Abscheren Sicherheitsstellung? Abstand Schiff, Ufer? Boot parallel zu den Wellen stellen
Platzwechsel in der Gig Querlager, Fußbrett Sicherheitsstellung der Sitzenden, nicht ins Boot treten
Passieren schmaler Stellen Ruder lang genügend Fahrt? Griffe festhalten
Wiedereinstieg ins Skiff nach dem Reinfallen Skulls senkrecht zum Boot und fixiert? Rollsitz zum Bug rollen

Ruderbefehle

  • Hochscheren!
  • Ruder – lang!

Aufgabenstellungen und Spielformen

  • Schläge vorwärts rudern, dann fliegen! Wer fliegt am längsten?
  • Wer kann im Boot aufstehen?
  • Wer kann dabei die Innenhebel loslassen ?
  • Wer kann Innenhebel loslassen und Skulls lang machen?
  • Wer kann eine schmale Stelle passieren (Bojen), ohne sie mit den Rudern zu berühren?
  • Wer rudert möglichst eng an einer Boje vorbei mit Ruder lang?
  • Flachlegen im Boot
  • Slalomkurs: vorwärtsrudern, zwischen Bojen durch, Wende um 180°, rückwärts auf ein Ziel zu, abstoppen, unter einem Hindernis durch, einen Gegenstand im Wasser aufnehmen, einen Ball in Eimer werfen usw. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt
  • Wurfspiele auf dem Wasser: Frisbee oder Softball werfen, die dann von anderen gefangen oder wiedergeholt werden müssen
  • Kleinere Ausfahrten mit Orientierungsaufgaben

Übersicht Element 6: Steuern

Teilziele Fachausdrücke Hinweise und Korrekturen
Kenntnis der Ruderbefehle Ruderbefehle für alle verständlich der Situation angemessen?
Kenntnis und Anwendung der Steuerregeln, An- und Ablegen der Steuerleute mit Ruderbefehlen Steuer zu stark eingeschlagen? Auf lange Sicht steuern, plötzliches Reißen an der Leine vermeiden

Ruderbefehle und Steuerregeln

Siehe auch Broschüre »Bootsobleute und Steuerleute« des Deutschen Ruderverbands Ruderbefehle und Steuerregeln.

Aufgabenstellungen und Spielformen

  • Durchführung aller Rudermanöver mit Hilfe der Ruderbefehle, aber ohne Steuer!
  • Zielsteuern (z. B. Anlegen) ohne Steuer
  • Führen einer Mannschaft von der Bootshalle aufs Wasser und zurück in die Bootshalle – mit einer Übungseinheit dazwischen

Übersicht Element 7: Orientierung über die Bereiche des Ruderns

Den Abschluß dieser Grundausbildung der hoffentlich nunmehr fortgeschrittenen Ruderanfänger bildet die Orientierung über die mannigfaltigen Bereiche des Ruderns. Hier sind nun die Übungsleiter gefordert, die Anfänger zu interessieren und zu motivieren. Fritsch nennt dazu:

  • Wanderfahrt (Tages- und Wochenendfahrten)
  • Fitness- und Ausgleichssport
  • Wettkampfrudern im Ruderverein

Literatur

  • Fritsch, W. (2006). Handbuch für den Rudersport: Training, Kondition, Freizeit (4. überarb. Aufl.). Aachen: Meyer & Meyer.
  • Fritsch, W. (2014). Rudern Basics (4. überarb. Aufl.). Aachen: Meyer und Meyer.

Anzeige