Unter Staustufen werden hier kleine Wehre ehemaliger Wassermühlen ebenso verstanden wie riesige Betonbauwerke im Strom.

Anfängern vorher erklären

Staustufen überwinden erfordert Kenntnisse und Erfahrung. Hat man Anfänger im Boot, muss man ihnen vorher erklären, was bevorsteht und wie sie sich verhalten sollen. Staustufen überwindet man mit Umtragen, Bootsschleppe, Bootsgasse, Bootsschleuse, Schifffahrtsschleuse. Bis auf wenige Besonderheiten bei stromauf wird dieses jeweils abwärts beschrieben.

Umtragen

Wo keine andere Möglichkeit vorhanden ist und Boote umgetragen werden müssen, kommt dieses Unglück selten allein. Oft sind dort die Ufer zum Anlegen und Herausnehmen ebenso wie zum Wiedereinsetzen nach mühsamer Schlepperei wenig geeignet.

Wenn das Boot aus dem Wasser genommen ist, zunächst die Einsetzstelle und den Weg dahin erkunden. Dann Ruder, Steuer, Gepäck und schließlich das Boot dahin tragen und das Boot einsetzen. Sind mehrere Boote unterwegs, wird jedes Boot von möglichst doppelt so vielen Ruderern getragen, wie es Ruderplätze hat.

Bootsschleppe

Die Bootsschleppe ist dazu da, dass man die Boote nicht zu schleppen braucht: Mit einer Lore auf Schienen oder einem Wagen auf festem Weg kann man die Boote vom Ober- zum Unterwasser oder umgekehrt transportieren. Schienen oder Weg führen oben und unten ins Wasser. So kann man Lore oder Wagen an Kette oder Seil gehalten ins Wasser rollen lassen und beladen mit dem Boot wieder herausziehen.

BootsschleppeBeim Umgang mit der Bootsschleppe ist einiges zu beachten:

  1. Anlegen, Riemen und Skulls aus den Dollen, Boot an der Bugleine halten.
  2. Prüfen, ob der Wagen so breit gebaut ist, dass die Außenhaut des gleich darauf liegenden Bootes nicht eingedrückt wird (wie in Hängeböcken im Bootshaus). Bootswagen sind häufig für 90- und 100 cm Boote zu schmal. Wenn man nicht ganz sicher ist: handeln wie unter Punkt 8 beschrieben.
  3. Wagen an der Kette gehalten ins Wasser rollen lassen. Boot an der Bugleine geführt auf Mitte Wagen einschwimmen.
  4. Kette und Bugleine zugleich ziehen: das Boot legt sich auf den Wagen und kommt darauf aus dem Wasser.
  5. Am Scheitelpunkt zwischen oberem und unterem Anleger Kette nach rückwärts nehmen und damit den Wagen bremsen, wenn er zum Einsetz-Anleger rollt.
  6. An Kette und Heckleine Wagen und Boot ins Wasser rollen lassen, bis das Boot schwimmt.
  7. Den Wagen unter dem Boot her aus dem Wasser ziehen und zu seinem Abstellplatz zurückfahren.
  8. Wenn der Wagen (die Lore) so schmal gebaut ist, dass die Bootshaut darauf eingedrückt werden kann: Auf dem Wagen nur den schmalen Bug einschwimmen. Wagen mit aufliegendem Bug aus dem Wasser ziehen. Das Heck des Bootes bis zum Wiedereinsetzen tragen. Achtung: Bevor die Heckträger beim Einsetzen das Boot loslassen, erst überzeugen, dass das Boot sich nicht dabei noch so auf den Wagen legt, dass die Außenhaut eingedrückt wird.

Bootsgasse

Eine Bootsgasse ist ein schmaler Betonkanal, in dem Boote mit deutlichem Gefälle und entsprechender Geschwindigkeit vom Ober- zum Unterwasser „hinunterrutschen“, aber auch vom Unter- zum Oberwasser getreidelt werden.

Das Boot bleibt in der Mitte

Schikanen am Betonboden zwingen das durchschießende Wasser, über die ganze Länge der Bootsgasse je eine Walze links und rechts zu bilden. Diese bei den Querwalzen drücken das Boot ständig zur Mittelachse, so dass es an den Seitenwänden nicht anstößt. Kanugassen mit einer Breite bis 1,30 m sind für Ruderboote völlig ungeeignet.

Für Ruderboote die breiten Universalgassen

Für Ruderboote geeignet sind die 2,30 m breiten Universalgassen. Einige davon sind ständig durchströmt. Andere sind mit einem Schütz verschlossen, das man mit Knopfdruck öffnet. Das Wasser strömt in die Gasse, und man hat mindestens eine Minute Zeit zum Hinunterrutschen oder Treideln, bis sich das Schütz wieder schließt.

Schmale Boote nur treideln

Die 78 cm-Boote sind nicht lagesicher genug und sollten auch abwärts getreidelt werden. Beschrieben wird, was bei der Abwärts-Fahrt mit 90 und 100 cm- Booten zu beachten ist:

  1. Unerfahrene Mannschaft bei der Zufahrt zur Bootsgasse üben lassen: Skulls/Riemen langgenommen parallel zum Boot am Innenhebel halten, ausbalanciert im Boot sitzen, nicht umdrehen, keine hastige Bewegung. Alles gründlich ansehen
  2. Anlegen. Bootsgasse ansehen. Falls vorhanden, Beschreibung lesen und danach handeln. Zunächst Strömung im Auslauf ansehen, wo nach der Durchfahrt die Blätter wieder in RudersteIlung gebracht werden sollen. Eventuell dort Treibgut entfernen. Wenn es Probleme im Auslauf geben kann, treideln oder notfalls umtragen.
  3. Bei Bootsgasse mit Schütz eventuell einmal Strömung ohne Bootsfahrt in Gang setzen. Ausbalanciert ruhig sitzen
  4. Einfahrt (mit Schütz erst, wenn die Ampel auf Grün springt): Boot in Fluchtlinie zur Gassen-Einfahrt in langsamer Fahrt. Skulls/Riemen lang. Mannschaft sitzt ruhig im Boot und hält Skulls/Riemen parallel zum Boot.
  5. Durchfahrt: Ausbalanciert sitzen bleiben, nicht steuern.
  6. Ausfahrt: Vom Bug beginnend, lässt der Steuermann die Ruder vornehmen und rudern. Er manövriert entsprechend dem, was er vorher – siehe unter 2. – angesehen hat. Immer nur ein Boot
  7. Mit oder ohne Schütz: Immer nur ein Boot in der Gasse und in deren Auslauf. Wenn mit Schütz: Nach dem einen Boot das Schütz schließen, abwarten und danach erneut Knopf drücken für das nächste Boot, wenn der Auslauf frei ist.

Zufahrt zur Staustufe von Oberstrom

Zufahrtsschilder zur StaustufeSchild oder Tonne »Verbot der Durchfahrt« vor dem Wehr

Auf der Fahrt zu einem Wehr kommt man zu dem allgemeinen Schild „Verbot der Durchfahrt“ oder auch zur rot-weiß-roten Tonne. Der Bereich hinter den Tonnen oder hinter dem Schild darf auf keinen Fall befahren werden. Besondere Gefahren bestehen hier schon bei erhöhtem Wasserstand, insbesondere durch Wasserwalzen, Unterströmungen oder Treibgut, selbst wenn die Schifffahrt noch nicht gesperrt ist.

Hinweisschild auf ein Wehr

Man kommt überhaupt nicht in diesen Bereich, wenn nach dem Hinweisschild „auf ein Wehr“ nur dem rotgerandetem Gebotszeichen mit schwarzem Richtungspfeil gefolgt wird. Wird diesem Richtungspfeil gefolgt, so gelangt man zum Schleusenkanal oder zur Boots- oder Schifffahrtsschleuse, sofern vorhanden auch zur Bootsschleppe oder zur Bootsgasse.

Richtungspfeil

Neben dem Richtungspfeilen können auch noch zusätzliche Informationen durch Zusatzschilder angebracht sein. So zum Beispiel: „Bootsschleuse“, „für Sportboote“, „für Fahrzeuge bis 40 m Länge“ oder „für Kleinfahrzeuge“.

Frei für Ruderboote

Befinden sich im Ober- und Unterwasser von Wehren oder Schleusen die nebenstehend abgebildeten Hinweisschilder „Frei für Ruderboote“, so befinden sich neben diesen Schildern Bootsumsetzanlagen, die das Umtragen von Ruderbooten ermöglichen.

Je nach Revier besagt die BinSchStrO, dass Kleinfahrzeuge, die von Hand eingesetzt oder herausgehoben werden können, die vorhandenen Bootsumsetzanlagen benutzen müssen.

Schifffahrtsschleusen

Schleusen gibt es in den unterschiedlichsten Arten und Größen. Schleusen mit einem Schleusenhub von mehr als 10 Metern sind auch keine Seltenheit. Es gibt sie als manuell zu bedienende Schleusen. Hier ist noch die Muskelkraft des Schleusenpersonals gefordert. Diese Art des Schleusens ist nicht nur kräfteraubend, sondern dauert auch länger als automatisierte Schleusungen. Bei den halbautomatischen Schleusen wurden die durch Muskelkraft zu bedienenden Kurbeln und Hebel später durch Elektromotore ersetzt.

Bei später gebauten kommt die Hydraulik zum Einsatz, die heutzutage elektronisch geregelt wird. Die modernsten Schleusen heutzutage werden fernbedient. Entweder durch das Schleusenpersonal mittels einer Funkfernsteuerung oder die komplette Schleuse wird über Videokameras von einer anderen Schleuse oder zentral fernbedient.

Durch die Einrichtung von Boots- bzw. Sportbootschleusen wurde nicht nur eine Erleichterung für Wassersportler erreicht sondern in Zeiten mit Niedrigwasser in den Flüssen, wird durch die Sportbootschleusen Wasser eingespart.

Diese Sportbootschleusen werden entweder durch das Schleusenpersonal bedient oder man muss sie selbst bedienen, wie beispielsweise an der gesamten Mosel. Dort sind alle Sportbootschleusen automatisch zu bedienen.

Schleusenzeiten

Auch die Schleusenzeiten sind nicht überall gleich. Schleusen mit starkem Berufsverkehr sind rund um die Uhr besetzt. Andere haben je nach Jahreszeit unterschiedliche Öffnungszeiten. Die generelle Benutzung von Schleusen durch Ruderboote wir durch die BinSchStrO geregelt.

Bis zur Einfahrt

Signaltafeln für das Durchfahren von Schlesuen Das Schleusenpersonal richtet die Schleusungen nach der Berufsschifffahrt und zieht dabei die Personenschiffe und andere Schiffe mit Vorrang (Schiffe mit einem roten Wimpel am Bug) vor. Wenn die Rudergruppe keinen Landdienst hat, der sich auch um Schleusungen kümmert, steigt der Bootsobmann aus und meldet sich beim Schleusenpersonal. Nach Möglichkeit sollte das Schleusenpersonal auch alle weiteren Schleusen an diesem Fahrttag verständigen. Eine Erleichterung und Einsparung von Schleusenzeit erreicht ein gut vorbereiteter Bootsobmann, wenn er rechtzeitig vor Erreichen der Schleuse, die Schleusung telefonisch anmeldet.

Wichtige Signaltafeln für das Durchfahren von Schlesuen – hauptsächlich bei alten Schleusen noch gebräuchlich.

Einfahrt in die Schleuse

Auch wenn das Schleusenpersonal zum Einfahren auffordert, niemals vor der Berufsschifffahrt in eine Schleuse einfahren. Auf Aufforderung des Schleusenpersonals nur dann hinter Schiffen einfahren, wenn dahinter – nicht daneben – die Möglichkeit besteht, das Boot in ganzer Länge am Bug und am Heck mit Paddelhaken an Leitern oder ähnlichem zu halten. Auch darf nicht zu dicht hinter der Berufsschifffahrt eingefahren werden.

In der Schleuse

Die meisten Schifffahrtsschleusen leiten das ein- und ausströmende Wasser so, dass es kaum Strömung oder Strudel bildet. Wenn nicht gleichzeitig Schiffe geschleust werden, liegt man darin am besten mit ausgelegten Rudern mitten zwischen den Schleusenwänden. Leider trifft dies nicht bei allen Schleusen zu. Bei einigen kann das einströmende Wasser nicht dosiert werden. Hier kann es insbesondere beim Aufschleusen zu Wasserwirbeln oder zu einer kleinen Welle in der Schleusenkammer kommen. Viele Bedienstete von Schleusen aber fordern nach der Verkehrsregel für das Verhalten in Schleusenkammern, dass auch Sportboote an den Schleusenwänden festmachen müssen.

Falls dies verlangt wird oder erforderlich ist, gilt folgender Grundsatz immer zu beachten: Leinen nie fest belegen!

Leinen müssen immer so gefiert werden, dass sie jederzeit schnell gelöst werden können. Näheres siehe bei der nachfolgenden Beschreibung des Schleusungsvorganges.

Beispielhaft wird das hier als Talfahrt nachfolgend beschrieben:

Warten vor dem Schleusenstopp

Verbot der EinfahrtAuf keinen Fall über das Stoppschild „rot umrandetes Gebot mit waagerechtem Balken“ hinaus näher an die Schleuse heranfahren. Bevor das Schleusen möglich ist, davor so liegen bleiben oder am Ufer festmachen, dass die Schifffahrt nicht behindert wird.

Hat eine Schleuse mehrere Schleusenkammern (eine für die Berufsschifffahrt z. B. für Schiffe über 40 m Länge und eine für kleine Schiffe und Sportboote) so kann es durchaus sein, dass bei Frequentierung der großen Schleusenkammer die Ruderboote noch mit in die große Kammer dazu genommen werden.

Übrigens im gesamten Bereich der Schleuse gilt ein generelles Überholverbot. Ruderboote die nicht Schleusen wollen, dürfen im gesamten Schleusenbereich nicht stilliegen.

  1. Drempel AusfahrtDrempel EinfahrtWenn ausreichend Platz vorhanden ist, Boote nicht nebeneinander legen, sondern hintereinander an den Schleusenwänden festmachen.
  2. Gelbe senkrechte Striche an beiden Schleusenwänden nahe am Obertor: Beim Absinken des Wasserspiegels taucht vom Obertor bis zu dieser Markierung ein Drempel (eine hohe Schwelle) aus dem Wasser auf. Soweit einfahren, dass auch das Steuer über diese Markierung hinweg ist.
  3. Gelbe senkrechte Markierung an beiden Schleusenwänden nahe am Untertor: Beim Aufgehen klappen die Flügel des Untertores bis zu diesem Punkt in die Wand hinein. Der Bug darf diesem Untertor nicht zu nahe kommen
  4. Mit Paddelhaken (Peikhaken) das Boot möglichst an einer Leiter in der Schleusenmauer, sonst an Ringen, Kreuzen, Klampen, senkrechten Stangen halten und den Paddelhaken mit sinkendem Wasser immer tiefer einhaken – wenn möglich, an Bug und Heck, sonst bei Talschleusung am Heck (siehe aber Ausfahrt hinter Schiffen). Das soll nicht der Steuermann tun, er muss sich rundum auf alles konzentrieren, was sich beim Schleusen tut. Leinen nicht fest belegen
  5. Boot nicht an Dollenstiften aufhängen Boot nicht mit der Leine fest belegen. Sonst hängt es beim Absinken an der Schleusenmauer, so ähnlich wie mit verhakten Dollenstift. Oder beim Aufschleusen wird das Boot unter Wasser gezogen und kentert. Leinen dürfen nur lose belegt werden, so dass sie jederzeit sofort wieder gelöst werden können.
  6. Ständig darauf achten, dass Ausleger und Dollenstifte beim Absinken von Wasser und Boot nicht in Leitern oder anderen Nischen in der Schleusenwand hängen bleiben. Ruder nicht beidseitig lang
  7. Wenn möglich, Ruder zur Wasserseite auslegen, nicht lang nehmen. Griffe in der Hand behalten, damit man das Boot abstützen kann.
  8. Schwimmpoller sind nicht für Ruderboote ausgelegt. Ohne entsprechende Last können diese sich verhaken und einen Nachlauf von bis zu 20 bis 30 cm in der Höhe haben. Auch hier gilt: Leinen nicht fest belegen.
  9. Wenn Boote nebeneinander liegen müssen: Ausleger nicht ineinander verhaken. Die Boote müssen jederzeit schnell voneinander frei kommen können.
  10. Das Schleusen ist für Frühstückspausen oder Ruhepausen im Boot ungeeignet. Es erfordert ständige Reaktionsbereitschaft.

Ausfahrt

Nicht schon ausfahren, wenn das Tor aufgeht, sondern warten bis die Ampel Grün zeigt.

Hinter einem herausfahrenden Schiff

Hinter einem herausfahrenden Motorboot, insbesondere Berufsschiff ist das Wasser sehr stark verwirbelt (man spricht hier von Schraubenwasser). Das führt bei unzureichendem Abstand dazu, dass das Ruderboot aus dem Ruder läuft. Man sollte aus Sicherheitsgründen hier einen Abstand von mindestens 50 bis 100 Metern lassen.

Strömungen vom Wehr her

Unterhalb mancher Schleusen kann es Probleme dort geben, wo das Ruderboot auf Strömung vom Wehr oder Kraftwerk trifft. Möglich sind starke Wirbel, möglich ist beispielsweise auch Strömung, die das Boot nach Steuerbord drückt, obwohl es einer Linkskurve folgen müsste. Der Steuermann lässt sofort nach der Schleusenausfahrt rudern, damit das Boot gesteuert werden kann. Bei unbekannten Schleusen sollte sich der Bootsobmann das Unterwasser vor dem Schleusen ansehen.

Wichtige Signale für das Durchfahren von Schleusen

Wichtige Signale für das Durchfahren von Schleusen